
Theoretisch geht es rundum aufwärts in Deutschlands Schulen – praktisch zumindest zum Teil.
Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sieht die teilweise positiven Effekte – z. B. von Ganztagsschulen – jedoch nicht so rosig und hat scharfe Kritik am deutschen bildungssystem geübt.
Am Dienstag sagte er auf einer Kundgebung anlässlich des Tages der Arbeit, dass Kinder im deutschen Schulsystem nach dem Geldbeutel der Eltern aussortiert würden.
Er konkretisierte seine Aussage mit dem Satz: "Der türkische Junge kommt auf die Hauptschule, die deutsche Arzttochter auf das Gymnasium. Das ist ein Skandal."
Mit den Schulabschlüssen vergebe der Staat auch Lebenschancen. Gebraucht werde eine Schule, "die alle Kinder gemeinsam unterrichtet, keinen ausgrenzt und alle bestmöglich ausbildet", betonte Thöne.
Der Gewerkschafter bemängelte, dass Arbeiterkinder an deutschen Hochschulen noch immer mit der Lupe gesucht werden müssten und dass dies auch ein Ergebnis der sozialen Auslese in Kindergärten und Schulen sei. Seiner Ansicht nach vernachlässigen Bund und Länder die Lehre und fördern stattdessen die Elite, obwohl bekannt sei, dass Deutschland mehr Akademiker brauche.
Ich bin, genau wie Thöne, der Ansicht, dass der Staat mit Schulabschlüssen auch Lebenschancen vergibt und dass in Deutschland dringend Schulen gebraucht werden, in der alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden, in der Niemand ausgegrenzt wird und in denen jedes Kind nach seinen persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten gefordert und gefördert wird. Allerdings denke ich, dass nach Jahrzehnten der verkorksten Beschulung keine Wunder erwartet werden dürfen und dass sich das Schulsystem – vor allem durch junge Lehrer bzw. durch die Mischung aus "alten Hasen" und "jungen Hüpfern" – langsam wandeln wird.
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