Haben, haben, haben - und zwar sofort!
abgelegt im Archiv Spiel und Spaß am 03.05.07
Ich möchte jetzt nicht meckern, nicht verallgemeinern und schon gar nicht mit einer Anhäufung von Schlagwörtern um mich werfen, aber aus gegebenem Anlass muss ich meinem Ärger - nein eher meiner grenzenlosen Verwunderung - einfach mal Luft machen...
Es ereignete sich Folgendes: Ich war heute in einem großen Kaufhaus unterwegs und in Begriff, dessen Spielzeugabteilung zu passieren. Plötzlich vernahm ich lautes Kindergeschrei aus einem der Gänge, in denen großzügig Spielwaren aller Art feilgeboten wurden. Als ich mich der Lärmquelle näherte, erblickte ich eine genervte Mutter, an deren Arm heulend, kreischend und tobend ein etwa vierjähriger Junge hing und zwischen seinen wütenden Tränen etwas wie: "Ich will aber... haben... jetzt!", schrie. Die Mutter hielt die Verpackungen zweier Spielzeugautos in der freien Hand und versuchte, ihren Jungen mit Worten wie: "Du kannst aber nicht beide Autos haben...", davon zu überzeugen, sich für eines der beiden Spielzeuge zu entscheiden.
Kopfschüttelnd kam ich ins Grübeln und zu folgendem Schluss, der mich bis jetzt nicht losgelassen hat, sodass ich nun davon schreibe:
Wir leben heute in einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Alles muss schnell gehen, wir müssen stets wandlungsfähig, flexibel und immer offen für Neues sein. Bleiben wir eine Minute stehen, fallen wir schon zurück. Und wir wollen immer alles haben.
Diese Hektik und dieser Drang nach Neuem, nach ständig rotierendem Fortschritt sowie nach dem Gefühl, noch nicht genug zu besitzen, spiegelt sich nicht selten auch im Verhalten unserer Kinder wider.
Besonders deutlich wird dies schon in den ersten Lebensjahren - z. B. wie heute, wenn es um Spielzeug geht.
Nicht nur wir Erwachsenen durch unser Verhalten, sondern auch die Werbung suggeriert unserem Nachwuchs, dass es nötig ist, die neueste Actionfigur, das schnellste ferngesteuerte Fahrzeug, die exklusivste Modepuppe oder das kuscheligste Stofftier zu haben. Und zwar nicht nur eins von Hunderten, sondern alle.
Doch wie lange beschäftigt sich ein Kind im Schnitt überhaupt mit dem neuen Spielzeug, dass es unbedingt haben wollte? Und ging es ihm überhaupt um das spielzeug an sich oder nur darum, es zu besitzen, weil es neu ist?
Und was noch wichtiger ist: Welche Qualität - z. B. bezüglich der Anregung der Phantasie - hat das Durchschnittsspielzeug heute überhaupt?
Antworten darauf finden interessierte Eltern beispielsweise hier . Ebenso bitte ich um rege Kommentare zu diesem Beitrag.

Permalink: Haben, haben, haben - und zwar sofort!
Tags: Kindereziehung Spielzeug Kinderspielzeug Spielsachen
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Wong
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Kommentar von:
Sabine
(09.05.07 12:07 Uhr)
Ich weiß, daß meine Tochter viel zu viel Spielzeug hat ... und in der Relation viel zu wenig damit spielt. Dazu kommt, daß das Spielzeug immer nur interessant ist, wenn die Freundinnen da sind. Wenn sie alleine ist, spielt sie eher mit Kartons und baut sich daraus Häuser, Notebooks, bemalt sich flache Schachteln, damit sie so aussehen wie eine Computertastatur. Leider erliege ich immer wieder der Konsumversuchung, und durch 3 Tanten und 2 Cousinen findet neues und gebrauchtes Spielzeug immer wieder den Weg zu uns.
Kommentar von:
Ina
(09.05.07 14:41 Uhr)
Ja, ich denke auch, dass das Überangebot an Spielwaren eine der Ursachen für den Konsumwahn ist.
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